Klebepalast

1904 wurde das Dienstgebäude der Landes-Versicherungs-Anstalt eingeweiht. Auch wenn die schöne Kuppel durch ein nüchternes Zeltdach ersetzt wurde - das Gebäude der Landes-Versicherungs-Anstalt (LVA) an der Friedrich-Ebert-Straße ist nach wie vor beeindruckend.

Der von dem Kasseler Anton Karst entworfene neobarocke Bau der Landes-Versicherungs-Anstalt hat stets seinen Platz behauptet.

Im Volksmund hieß das pompöse Gebäude Klebepalast wegen der aufgeklebten Marken für die Rente. Heute reicht der Computer. Die Behörde, heute Dienststelle der Landesversicherungsanstalt Hessen, zählt zu den größten und ältesten Verwaltungen in Kassel.

1904 bezog sie den Neubau an der damaligen Hohenzollernstraße. Die Geschichte der LVA Kassel ist eng mit der Bismarckschen Sozialgesetzgebung verknüpft. Das Gesetz zur Invaliditäts- und Alterssicherung trat am 20. Juni 1889 in Kraft. In der Folge entstanden 31 Landesversicherungsanstalten. Die Invaliditäts- und Alterungs-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau in Kassel, die ihre Arbeit zunächst in der Kölnischen Straße aufnahm, war für das Kurfürstentum Hessen, das Herzogtum Nassau und das Fürstentum Waldeck-Pyrmont zuständig.

1895 wurden bereits über 355000 Versicherte gezählt. Erster Vorstandsvorsitzender war der Landesdirektor der Provinz Hessen-Nassau, ein Herr von Hundelshausen. Arbeitgebervertreter waren zwei Rittergutsbesitzer und ein Fabrikant. Im Herbst 1902 wurde mit dem Neubau an der damaligen Hohenzollernstraße begonnen, am 19. September 1904 ging das Gebäude in Betrieb. Der Erste Weltkrieg führte zu Einschnitten. Der Krieg wurde aus den Rentenkassen finanziert, es mussten erhöhte Leistungen an Witwen und Waisen erbracht werden. In der Folgezeit hatte die LVA mit den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise und den politischen Umwälzungen zu kämpfen.

Mit dem Nationalsozialismus verlor die Behörde ihre Selbstständigkeit. Die Bomben, die 1943 auf Kassel niedergingen, besorgten den Rest. Das Gebäude wurde größtenteils zerstört. Das Kartenarchiv war zum Glück in ein LVA-eigenes Erholungsheim nach Hofgeismar ausgelagert worden, wo es den Krieg unbeschadet überstand. Mit dem Zweiten Weltkrieg endete die Geschichte der LVA Hessen-Nassau. Sie wurde zur Dienststelle Kassel der LVA Hessen. Die arbeitete zunächst von dem Hofgeismarer Kindersanatorium aus, bis das Kasseler Dienstgebäude wieder aufgebaut war.

 

Quelle: RegioWiki